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Tag 4: Polednik -> Bayerisch Eisenstein (22,20 Kilometer)

Im Zelt schlafen ist einfach nicht so ganz mein Ding. Wobei weniger das Zelt als vielmehr die Isomatte das Problem ist. Als Seitenschläfer sind die Teile einfach unbequem. Mental schreibe ich also “auf dem Rücken schlafen lernen” auf meine To-Do-Liste.

Da ich schon vor 6 Uhr wach bin und absolut nicht mehr einschlafen kann, versuche ich etwas über den Wetterverlauf des Tages in Erfahrung zu bringen. Leider spielt das Internet nur mäßig mit, aber ich habe ja Zeit. Um 06:20 Uhr (so sagt der Zeitstempel der Bilder) entschließe ich mein Lager abzubrechen – auch wenn ich das im Schein meiner Stirnlampe machen muss. Ich räume also erstmal alles in den überdachten (und trockenen) Bereich und baue mein Zelt ab.

Sieht noch nicht so sympathisch aus, das Wetter

Als alles verpackt ist gönne ich mir erstmal noch eine große Tasse Kaffee und spaziere etwas über das Gelände, in der Hoffnung vielleicht noch einen Sonnenaufgang auf dem Berg zu Gesicht zu bekommen. Der Nebel hat aber scheinbar ein Problem mit meiner morgendlichen Sonnenanbetung. Ich schultere also meinen Rucksack und mache mich an den Abstieg. Erstmal entlang der Straße zurück zur Kreuzung, wo ich dann glücklicherweise auf einen Waldweg abbiegen kann. Jetzt geht es erstmal eine ganze Weile bergab.

Trotz Nebel eine spannende Atmosphäre

Trotz der kalten Temperaturen (ich bin aktuell sehr froh einer spontanen Eingebung folgend meine Handschuhe eingepackt zu haben) bin ich gut gelaunt unterwegs. Knapp über 22 Kilometer stehen heute auf dem Programm. Von Bayerisch Eisenstein fährt stündlich ein Zug, ich bin also sehr flexibel in meiner Ankunftszeit und muss mich nicht stressen.

Die Sonne gibt mittlerweile ihr Bestes doch noch irgendwie in Erscheinung zu treten und der Nebel lichtet sich. Da ich durch ein recht dünn bewaldetes Stück des Nationalparks wandere habe ich mittlerweile einen relativ weiten Blick über die Baumkronen. Das sieht schon gigantisch aus. Am Wegrand werben immer öfter Fliegenpilze mit ihrem charakteristisch rot/weißen Farbschema um Aufmerksamkeit. Insgesamt gibt es im Sumava Nationalpark unglaublich viele Pilze. Da ich aber wenig Interesse an einer Lebensmittelvergiftung habe, belasse ich es beim Fotografieren und Anschauen. Pilze sammeln soll ja wohl gelernt sein.

Die findet man im Sumava Nationalpark überall

Nach etwa anderthalb Stunden erreiche ich ein schönes Fleckchen mit Bänken und Wasserquelle, an dem ich meine Vorräte auffülle. Hinsetzen möchte ich mich ob der nassen Oberflächen aber nicht. Ich bin ja eh quasi “gerade erst” losgelaufen, jetzt schon eine Pause zu machen wäre vermessen. Der Weg wechselt zwischen Wald- und Kies/Schotterweg und geht minimal bergab. Die Sonnenstrahlen drücken immer mehr durch die Wolken – das Leben ist schön. Eine halbe Stunde später erreiche ich ein fast unüberwindbares Hindernis: eine Furt. Es gilt einen Bach zu überqueren, der munter über den Weg plätschert. Glücklicherweise erinnere ich mich an einen Reisebericht des ODS-Forums (der mich überhaupt erst auf den Sumava aufmerksam gemacht hat), in dem der Berichtende vor genau dieser Stelle steht. Einige Meter zuvor gäbe es wohl einen Pfad zu einer Brücke. Ich laufe also wieder ein Stück bergauf und kann auch einen kleinen, stark zugewachsenen Trampelpfad erkennen. Ab in die Büsche und kurze Zeit später ist besagte Brücke auch schon erkennbar. So komme ich also doch trockenen Fußes über den reißenden Strom.

Eine wunderschöne Wasserquelle

Mittlerweile habe ich den Wald quasi verlassen und bewege mich auf offenem Feld. Da die Sonne nun endlich den Kampf gegen die vorherrschenden Wolken gewonnen hat, wird die nächste Bank als Frühstücksort auserkoren. Da es doch etwas zugig ist entscheide ich mich nur für Müsli, ohne Kaffee. Um zusätzliche Zeit zu sparen (und weil ich zu faul zum Spülen bin) versuche ich, mein Müsli direkt aus dem Ziplock-Beutel zu essen. Das funktioniert allerdings nur semi-gut und resultiert in einer ordentlichen Sauerei. Naja, wieder was für die Zukunft gelernt. Meine Laune lasse ich mir davon aber nicht verderben.

Etwas später komme ich an einer überdachten Sitzmöglichkeit vorbei. Hier wäre es deutlich gemütlicher gewesen, aber das kann ich jetzt auch nicht mehr ändern. Im Hinterkopf geistert noch irgendwo ein Kommentar zu diesem Teil der Strecke aus oben genanntem ODS-Reisebericht herum und auch Locus Map sagt mir, dass ich in Kürze scharf links abbiegen muss. Hätte ich das nicht gewusst wäre ich schnurstracks an der Wegmarkierung vorbeigelaufen. So biege ich ein weiteres Mal ins Unterholz ab und folge einem etwas breiteren Trampelpfad. Bisher bin ich absolut begeistert von meiner heutigen Etappe. Wunderschöne Wälder um mich herum, auf einem angenehm zu gehendem Weg und Sonnenschein.

Traumhaft

Und plötzlich taucht auch noch ein See (der Jezero Laka) vor mir auf. Eine Infotafel zum See gibt es auch, aber mein tschechisch ist die letzten Tage nicht unbedingt besser geworden, ich verstehe also nichts. Zwei Wanderer genießen den Ausblick schon, da stelle ich mich doch glatt dazu und schieße ein paar Fotos. Hier gibt es einige Sitzgruppen, aber ich entscheide mich erstmal fürs Weitergehen. Basierend auf meiner Karte umrunde ich einen Teil des Sees, da gibt es bestimmt später auch noch ein lauschiges Plätzchen.

Ein richtig schöner Abschnitt

Das umliegende Sumpfgebiet durchquere ich auf einem Plankenweg, an dessen Ende tatsächlich nochmal eine Sitzgruppe steht. Also doch kurz Pause. Rucksack absetzen und verschnaufen. Dann geht es auf dem Plankenweg auch schon weiter. Nochmal scharf links abbiegen und plötzlich wird der Weg recht steil. Nach ein paar Metern komme ich auf einen asphaltierten Radweg. Das soll es dann für diesen Tag mit den angenehmen Wegen gewesen sein.

Sonnenschein macht glücklich

Ab jetzt ist der Weg an sich recht unspektakulär. Bis Bayerisch Eisenstein folge ich einfach dem Radweg, erst auf den Berg hoch, dann auf der anderen Seite wieder herunter. Auf beiden Seiten kommen mir Radfahrer entgegen. Erst welche, die in einem Affenzahn den Berg hinunter sausen, danach welche die unter größten Anstrengungen den Berg hinauf strampeln. Fahrradfahren wäre einfach nichts für mich. 400 Höhenmeter geht es jetzt bergab. Teilweise ist die Strecke auf beiden Seiten von Wald eingegrenzt, teils ergibt sich ein weitläufiger Blick auf die bayerische Seite. An einer Bank raste ich nochmals und schütte einen Teil meiner Wasservorräte weg. Das Gewicht muss ich ja nicht unnötigerweise herumtragen. Den Zug um 13:44 Uhr schaffe ich eh nicht, daher kann ich gemütlich laufen und plane meine Heimfahrt für 14:44 Uhr. Um kurz nach 14 Uhr erreiche ich Alžbětín/Elisenthal. Die Ortschaft grenzt direkt an Bayerisch Eisenstein.

Belohnungsbier

Im letzten Bistro vor der Grenze genehmige ich mir zur Feier des anstehenden Zieleinlaufs erstmal ein Pilsner Urquell und kaufe im örtlichen FreeOneShop noch Kekse für Anna-Lena und eine Cola für die Heimfahrt. Um 14:23 Uhr überquere ich die Grenze am Bahnhof und bin wieder auf deutschem Boden. Der Zug steht schon bereit, ich lasse mich aber erstmal noch auf einer Bank nieder, um der anstehenden Maskenpflicht noch ein paar Minuten zu entgehen. Im Zug löse ich bei einer unglaublich freundlichen Mitarbeiterin mein Bayernticket und schon bald rattert der Zug in Richtung Plattling. Dort muss ich einmal umsteigen, um nach Passau zu kommen.

Tour erfolgreich beendet

Auf der Heimfahrt passiert nichts spannendes mehr und ich erreiche mit nur zwei Staus um ca. 20:15 Uhr mein Zuhause.

So endet mein Abenteuer im Sumava Nationalpark.

Fazit:

Wie in der Übersicht erwähnt habe ich schon lange mit dem Gedanken gespielt, allein in den Urlaub zu gehen. Ursprünglich geplant war ein Städtetrip, durch die Verlagerung meiner Freizeitinteressen und den Wunsch persönliche Grenzen auszuloten, habe ich mich dann für mein Solo-Abenteuer im Sumava Nationalpark entschieden. Der Zielort hat sich in meinen Augen daher angeboten, da die Landschaft sich nicht stark verändert, aber trotzdem sehr schön ist. Man muss also nicht alle Nase lang zum Fotografieren stehen bleiben, sondern kann den Fokus aufs Laufen und die Distanz setzen. Ich konnte also ganz gut ausloten, wie viel Strecke ich mir für zukünftige Touren zutrauen kann.

Mein Fazit lautet also wie folgt:

Der Sumava Nationalpark ist definitiv einen Besuch wert. Es mag ein paar Alternativrouten zu meiner Strecke geben, aber im Großen und Ganzen würde ich meine Route so empfehlen. Man läuft einiges auf Asphalt, weshalb ich als Schuhwerk vermutlich Trailrunner empfehlen würde. Mit meinen Lowa Renegade hatte ich aber überhaupt keine Probleme und bin rundum zufrieden.

Es ist ein spannendes Erlebnis, so ganz allein in der Wildnis. Ich bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben. Mal schauen, ob sich das, in kürzeren Touren, zukünftig mal wiederholt.

Zwei Dinge würde ich allerdings ändern:

Den Reisezeitraum würde ich mehr in den Sommer legen. Die Temperaturen waren nicht unbedingt ein Problem, aber Ende September wird es doch recht früh dunkel und spät hell. Vor allem wenn man allein unterwegs ist, wären längere Tage schön.

Den letzten Abschnitt der letzten Etappe würde ich anders laufen. Entweder früher auf die deutsche Seite wechseln oder eine etwas östlichere Route im Sumava wählen. Hauptsache den langen Abstieg auf dem Radweg meiden.

Aber insgesamt würde ich die Erfahrung nicht missen wollen und hatte einige wunderbare Tage im Sumava Nationalpark, an die ich sehr gern zurückdenken werde.

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