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Tag 3: Bucina -> Polednik (25,11 Kilometer)

Ein kleiner Hauch Sonne am frühen Morgen

Der Wetterbericht hat ab 08:00 Uhr Regen angekündigt. Ich bin also zeitig wach und räume erstmal meine Habseligkeiten in den überdachten Pausenplatz am Wegrand. Jetzt gibt es auch einen wärmenden Kaffee zum Start. Mein Frühstück esse ich für gewöhnlich nicht direkt nach dem Aufstehen, sondern erst später. Ich überlege aber, ob ich die überdachte Sitzgelegenheit noch nutzen soll, entscheide mich aber dagegen.

Die AeroPress GO hat sich absolut bewährt

Ich schwinge also meinen Rucksack auf den Rücken, schnappe mir meine Wanderstöcke und mache mich erstmal auf den Weg zurück nach Bucina. Die Notunterkünfte sind immer etwas außerhalb, wobei Bucina auch keine wirkliche Ortschaft, sondern eigentlich nur eine Kreuzung ist. An eben jener Kreuzung biege ich Richtung Polednik ab. Mein heutiges Ziel ist der höchste Berg im Böhmer Wald (mit stolzen 1300 Metern) und das Wetter sieht bisher nicht rosig aus. Es dauert auch nicht sonderlich lange, bis es zu regnen beginnt. Immerhin habe ich die asphaltierten Wege schnell hinter mir gelassen und wandere trotz des Regens gut gelaunt durch die tropfenden und von Nebelschwaden durchzogenen Wälder.

Das Wetter spielt heute nicht so ganz mit

Im heutigen Abschnitt finden sich immer wieder zweisprachige (tschechisch/deutsch) Infotafeln zu verschiedenen Tieren, die im Nationalpark beheimatet sind. Da gibt’s sogar noch ein wenig “Bildung to go”. An einer sehr ausführlichen Infotafel zum tschechischen Radfahrnetz komme ich ebenfalls vorbei, wobei ich mich frage was ein Radfahrer auf den Wegen verloren hat, auf denen ich mich herumtreibe. Die müssen wohl hart im Nehmen sein. Bisher habe ich alle Sitzgelegenheiten aufgrund von Nässe ausgelassen, muss mich aber dann doch mal unter ein paar Bäumen verschanzen, da mich der Durst plagt. Eine Frühstückspause hatte ich bisher auch noch nicht, aber der Gedanke im Regen auf einer nassen Bank mein Müsli zu löffeln verdirbt mir doch irgendwie den Appetit. Trotz der Wetterlage bin ich fröhlich unterwegs und genieße die schön grüne Natur. Unglaublich wie viele Pilze hier überall sprießen. Als es dann zumindest kurz aufhört zu regnen schlage ich mich sogar ein wenig in den Wald, da ich einen kleinen Bach erspäht habe. Das sieht dann schon gigantisch aus. 

Die Natur im Sumava Nationalpark ist einfach wunderschön

Leider beginnt es dann auch direkt wieder zu regnen, wobei es glücklicherweise nur so ein bisschen vor sich hin tröpfelt. Es ist also auszuhalten. Mittlerweile habe ich beschlossen bis Modrava zu laufen. Das wäre, nach ursprünglicher Planung, mein Tagesziel gewesen und scheint mir daher ein guter Punkt für eine ausgedehnte Mittagspause zu sein. Gegen halb 12 erreiche ich den Notübernachtungsplatz Modrava, der sich am anderen Ende etwas außerhalb der Ortschaft befindet. Modrava ist mit 80 Einwohnern vermutlich die größte Ansiedelung, durch die mich meine Reise trägt. Wie gewöhnlich befinden sich zwei Dixie-Toiletten am Zeltplatz sowie mehrere Sitzgelegenheiten.

Notübernachtungsplatz Modrava

Allerdings gibt es hier, im Vergleich zu allen anderen Plätzen, keine überdachte Sitzmöglichkeit. Im Nachhinein bin ich also sehr froh um meine gestrige lange Tour. Außerdem ist der Boden mit Hackschnitzeln gestreut, die bestimmt ganz fürchterlich an meinem Zelt geklebt hätten. Ich genieße die Regenpause und einzelnen Sonnenstrahlen, während ich mein Müsli esse und mir einen Kaffee koche. Die Pause nutze ich außerdem äußert effizient, um noch Anna-Lenas Beitrag zum Schmugglerweg Korrektur zu lesen. Da ergreift mich doch glatt ein bisschen Heimweh, wenn ich an unsere vergangenen gemeinsamen Abenteuer denke.

Sehr angenehmer Abschnitt

Gegen 13 Uhr wandere ich weiter. Über die Hälfte der Tagesstrecke ist schon geschafft – ich liege also hervorragend in der Zeit. Die nächsten Kilometer schlängelt sich der “Roklansky Potok”parallel zum Weg, der zwar schön anzusehen aber absolut nicht wie eine vertrauenserweckende Trinkwasserquelle aussieht. Wie alle Bäche und Flüsse im Sumava Nationalpark hat das Wasser eine unschöne bräunlich/gelbe Verfärbung, weshalb ich mein Wasser ausschließlich aus Seitenbächen beziehe. Insgesamt ist die Wasserversorgung aber überhaupt kein Problem.

So schön es hier auch ist, das Wasser möchte ich selbst gefiltert nicht trinken (müssen)

Munteren Schrittes folge ich dem Wanderweg, der zwischen Fluss und Radweg meinen Füßen eine willkommene Abwechslung zu den vielen Asphalt-Kilometern gönnt. An einem überdachten Rastplatz ruhe ich nochmal kurz meine Beine aus und trinke einen Schluck, dann geht es auch schon an den Endspurt. Langsam, aber stetig beginnt der Anstieg auf den Polednik. Der Weg ist hier super ausgeschildert und ich benötige mein Handy daher nur zum bildlichen Festhalten meiner Eskapaden. Um kurz vor 16 Uhr erreiche ich den Aussichtsturm auf dem Polednik, hinter dem sich der Notübernachtungsplatz befindet. Ein Mitarbeiter des Besucherzentrums räumt noch ein paar Sachen in seinen Audi und düst dann davon. Ich kundschafte erstmal die Lage aus und sehe mir den Zeltplatz an. Toiletten sind vorhanden, der Zeltplatz ist eben und windgeschützt – da bin ich doch zufrieden.

Notübernachtungsplatz Polednik – mit Karte des Sumava Nationalparks

Direkt am Besucherzentrum findet sich ein recht großflächiger, überdachter Bereich mit vielen Tischen und Bänken. Hier ist im Sommer bestimmt einiges los. Ich bin aber erstmal alleine. Da jetzt doch noch ein wenig Sonne scheint, versuch ich mein Zelt vor dem Aufstellen noch ein wenig zu trocknen. Der Erfolg ist allerdings eher mäßig. Kurze Zeit später kommt ein Jäger mit seinem Auto angefahren. Er kann ein wenig deutsch und weist mich darauf hin, dass das Besucherzentrum und der Notübernachtungsplatz aktuell zur Sanierung geschlossen sind. Ihn würde das nicht stören, wenn ich bliebe, aber er wollte es gesagt haben.

Der überdachte Außenbereich des Besucherzentrums

Da er im Wald jagen geht, bittet er mich in der Nähe des Turms zu bleiben. Es wäre schade, wenn er mich erschießen würde. Sehe ich auch so, daher verlasse ich das Areal vorsichtshalber gar nicht. Ich erkunde also nur die unmittelbare Gegend und finde tatsächlich ein Schild mit dem Hinweis auf die Renovierungsarbeiten. Allerdings ist das Schild nur oben am Berg und ausschließlich tschechisch. Mittels Google Translate bekomme ich das dann zwar übersetzt, ignoriere aber den Hinweis komplett. Es ist zwar noch nicht übermäßig spät, aber meine Beine sind müde und ich möchte nicht wieder den Berg hinuntermüssen. Etwas versteckt finde ich sogar das Gipfelkreuz und schieße mein Gipfelkreuz-Selfie.

Immerhin ein klein wenig Aussicht bietet mir das Wetter

Im überdachten Bereich gibt es übrigens sogar eine Feuerstelle mit Kamin und einen Holzvorrat. Ob man sich hier einfach bedienen darf, sei jetzt mal dahingestellt, mir war aber kalt und die Stimmung, die so ein Lagerfeuer verbreitet wollte ich auch nicht missen. Also erstmal ein Feuer gemacht und parallel Kaffee gekocht – so lässt es sich leben. Ich überlege kurz ob ich mein Zelt im überdachten Bereich aufstellen soll, dann könnte mal alles so richtig trocknen. Aber der Wetterbericht sagt keinen Regen in der Nacht vorher, daher verziehe ich mich auf die Wiese. Auch heute stelle ich mein Zelt illegal früh (vor 18 Uhr) auf, aber ich möchte noch ein paar Sonnenstrahlen einfangen. Heute steht Couscous, verfeinert mit gedörrtem Gemüse (Pilze, Kürbis, Paprika etc.) auf dem Speiseplan. Definitiv mein Favorit diese Woche und so wunderbar einfach zu machen.

Auch auf dem Polednik ist die Landschaft von totem Holz dominiert

Mit der Dunkelheit kommt auch ganz schön viel Nebel, weshalb ich mich in mein Zelt verziehe. Als Dessert (es soll ja an nichts mangeln) gibt es noch einen Müsliriegel. Die Verpackung lege ich fein säuberlich neben meine Isomatte, was mir dann aber kurze Zeit später zum Verhängnis wird. Während ich total entspannt dem mittlerweile aufgezogenen Regen lausche (Danke an den Wetterbericht an dieser Stelle) und gemütlich meiner Lektüre fröhne, hat wohl ein Nagetier unbekannter Spezies meine Nussriegel-Verpackung gerochen und als Beute des heutigen Abends erkoren. Als das Tierchen sich also erfolgreich durch mein Innenzelt gefressen und quasi kurz vor dem Ziel war, habe ich es durch meinen Schreck verschreckt. Jetzt habe ich also ein Loch im Zelt. Na toll. Ich mache mich auf jeden Fall direkt daran, alles Nagetiersicher zu verstauen und packe mich wieder in meinen Schlafsack ein. Langsam wird es etwas frisch und es regnet weiterhin. Irgendwann höre ich das Auto des Jägers davonfahren – er war wohl nicht erfolgreich, sonst hätte ich wohl irgendwann mal Schüsse hören müssen. Hätte mich aber auch gewundert, wenn bei dem Nebel jemand was gesehen hätte. Morgen steht meine letzte Etappe an und mit diesem Gedanken schlummere ich langsam ein. Nachts schrecke ich noch zweimal auf, weil neugierige Nager auf der Suche nach Müsliriegelresten mein Zelt untersuchen.

Diese Notübernachtungsplätze sind echt spitze!

So endet mein dritter Tag im Sumava Nationalpark.

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1 thought on “Mein Sumava-Abenteuer: Tag 3 – hat jemand vergessen die Sonne einzuschalten?

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