Nach langer Planung war es endlich so weit und meine Reise in den Nationalpark Sumava stand an. 5 Tage, ich und die Natur, im böhmischen Wald. Der Nationalpark ist Teil des Biosphärenreservat Sumava im Südwesten Tschechiens im Böhmerwald und mit knapp über 680km² der größte Nationalpark Tschechiens.

Terminlich nicht 100% optimal gelegt, entschied ich mich für den 27. September als Starttag, mit geplantem Ende am 01. Oktober.

Die Übersicht zur Vorbereitung meiner Wanderung und sonstigen Informationen findet ihr hier.

Tag 1: Frauenberg (Haidmühle) -> Plod pesnym jezerem (12,34 Kilometer)

Mein Tag beginnt ganz entspannt bei einer Tasse Kaffee daheim in der Küche.

Mein Rucksack mit allen notwendigen Ausrüstungsgegenständen steht schon gepackt im Flur, die Schuhe sind im Auto und Wechselklamotten für die Heimfahrt liegen auch bereit. Ich verabschiede mich also bei Anna-Lena und bewege mich (nach einem Start-Foto) Richtung Auto. Dann muss ich nochmal zurück in die Wohnung, weil ich meinen Kaffeebecher und die Wasserflasche für die Fahrt, den bereitgelegten Apfel und die Wechselklamotten hab liegen lassen. Jetzt habe ich aber wirklich alles eingepackt und ich fahre los. Für mich beginnt jetzt das große Abenteuer Sumava.

Motiviert und voller Vorfreude

Also nach mehreren Stunden Fahrt beginnt das Abenteuer. Nach drei Stunden Autobahn komme ich in Passau an (die Fahrt war sehr unspektakulär, ich musste nur einmal zum Pinkeln anhalten) und parke mein Auto im Parkhaus am Bahnhof. Bargeld, Ausweis und Kreditkarte noch in der vorgesehenen Tasche verstauen, Wanderschuhe schnüren und ab geht’s zur Bushaltestelle. Unterwegs mache ich an der Bahnhofstoilette nochmal Pipi und vergesse dort direkt meine erste Maske. Ich habe ja zum Glück noch zwei medizinische und zwei FFP2-Masken dabei.

Nun gilt es die richtige Bushaltestelle zu finden. Gar nicht so leicht am Bahnhof in Passau, da gibt es nämlich ganz schön viele. Die sind aber alle mehr oder weniger in einer Reihe, also kann hier schon mal nichts schief gehen. Der Bus kommt dann auch überpünktlich und der freundliche Fahrer unterhält sich während der Fahrt sogar ein bisschen mit mir. Mein großer Rucksack ist doch etwas auffällig. In Waldkirchen angekommen bin ich erstmal etwas überrascht, da mein Anschlussbus nach Frauenberg nicht auf dem ausgehängten Fahrplan zu finden ist. Nach den Informationen von bayern-fahrplan.de müsste der Bus aber jeden Moment auftauchen. Ich harre also der Dinge und kurze Zeit später trudelt auch schon mein nächstes Gefährt ein. Der Fahrer ist dann auch so nett, mich in Frauenberg direkt am Weg zum Dreisessel herauszulassen (und mich auf meinen Ausstieg hinzuweisen, ich habe nämlich kurz ein wenig meine Augen ausgeruht). Von jetzt an sind also meine Beine für die nächsten 100 Kilometer Fortbewegung zuständig.

Los gehts!

Mein erstes Ziel: Der Dreisesselberg

 Angegeben mit 3,7 Kilometer eine angenehme erste Etappe, die ich beschwingt und voller Elan angehe. Der Weg ist super ausgeschildert und führt über schöne (Wald-)Wege hinauf auf den Berg. Das Wetter spielt zwar noch nicht unbedingt mit, aber davon lasse ich mich jetzt auch nicht mehr abhalten. Auf dem Dreisessel fallen mir zuerst die ungewöhnlichen Gesteinsformationen auf, die es hier oben gibt. 

Granitsteinformationen auf dem Dreisesselberg

Sieht ganz schön cool aus, auch wenn sich die Natur (noch) hinter Nebelschwaden versteckt. Auch am Gipfelkreuz hält sich die Aussicht in Grenzen, aber in wenigen lichten Momenten erhasche ich einen Vorgeschmack auf die Natur, die mich in den kommenden Tagen erwartet. Ich lege mal eine Schicht Kleidung obendrauf (bisher war ich im T-Shirt unterwegs) und wandere weiter zum Gasthof Dreisessel. Dort angekommen beginnt es in Strömen zu regnen. Ich nutze mein gutes Timing und stelle mich am Gasthof unter, während ich mich nun vollends wetterfest verpacke. Ich gönne mir noch ein paar Wiener im Semmel zur Stärkung und warte die ca. 15 Minuten Regenschauer ab. Als es zumindest aufhört zu regnen geht die Reise für mich weiter. Die Beschilderung hier oben ist noch sehr gut und auf dem schönen Grenz-Wanderweg komme ich bald in den Nationalpark Sumava.

Etwas nass, aber sehr angenehm zu laufen

Immer wieder tauchen die vorhin erwähnten Granitformationen auf, wenn auch nun in kleinerer Form. Am Dreiländereck gesellt sich noch etwas Sonne zu meiner Reise und ich lege meinen Rucksack kurz ab. Der Regenschutz bleibt zur Sicherheit aber erstmal noch dran – man weiß ja nie.

Hier treffen Deutschland, Österreich und Tschechien aufeinander

Ich überquere noch den bayerischen Plöckenstein (der, wie ich meine mich zu erinnern, ziemlich genau auf der Grenze liegt. Der gesamte Wanderweg hier oben ist direkt auf der Grenze, man kann also schrittweise zwischen den Ländern wechseln), bevor es langsam an den Abstieg geht. Mir ist bergauf immer lieber als bergab, aber ich möchte hier oben ja nicht übernachten. Mittlerweile hat der Himmel aufgeklart und die Sonne gönnt mir noch etwas Wärme am Nachmittag und einen wunderschönen Blick auf den Bayerischen und Böhmischen Wald. Die vielen abgestorbenen Bäume sind das Ergebnis einer Borkenkäferplage, die weite Teile der Wälder zerstört hat. Immer wieder gibt es Hinweisschilder, dass die Bäume bei Sturm abbruchgefährdet sind. Da es aber nicht stürmt, stört mich das wenig.

Ganz schön viel totes Holz

Irgendwann bin ich „tief genug“ um in den Wald einzutauchen. Es geht zwar weiter bergab, aber der Abstieg ist sehr angenehm zu bewältigen, auch wenn es manchmal über große Steinplatten geht. Ich bin ja zum Glück mittlerweile trittsicher. Ich folge dem Waldweg immer weiter (verlaufen wäre hier gar nicht möglich) und finde kurz vor meinem Tagesziel sogar noch eine halbwegs saubere Quelle, um meine Wasservorräte aufzufüllen. Wie schon im Irland-Urlaub habe ich meinen treuen Wasserfilter (Sawyer Squeeze Mini) dabei, da mir die Farbgebung der örtlichen Wasserquellen nicht immer vertrauenserweckend erscheint. Es dauert zwar etwas, eine größere Menge Wasser zu filtern, aber das ist es mir dann doch wert.

Als ich aus dem Wald breche (okay, gehe) begrüßt mich direkt die überdachte Sitzgelegenheit des Notübernachtungsplatz „Plod pesnym jezerem“. Linker Hand finden sich zwei Toiletten, dahinter der Zeltplatz – ebenfalls mit Sitzmöglichkeit(en). Ohne zu viel Vorweg nehmen zu wollen, muss ich hier eben eine Lanze für diese Notübernachtungsplätze brechen. Jeder einzelne war in einem super gepflegten und sauberen Zustand, mit top Ausstattung und abgesehen von Modreva, immer mit überdachten Sitzmöglichkeiten. Da gibt es in anderen Ländern bezahlte Campingplätze, die weniger Luxus bieten.

Ich baue erstmal mein Zelt auf, auch wenn das eigentlich erst ab 18 Uhr erlaubt ist (und es 17:50 Uhr ist). Mit meiner ersten Tagesetappe bin ich sehr zufrieden. Zum Abendessen gibt es Nudeln mit Tomatensoße, hauptsächlich weil die Portion am meisten Platz wegnimmt. Also eben den Campingkocher herausgeholt, die Gaskartusche dazu und dann fällt es mir auf: Kocher und Kartusche harmonieren nicht. Da ich mir nicht sicher war, ob in meiner vorrätigen Gaskartusche noch ausreichend Gas für die Woche war, habe ich mir extra eine neue gekauft. Allerdings die falsche. Starke Leistung. Jetzt ist also Improvisation gefragt. Da ich meine Nudeln nicht kalt essen möchte, muss ich irgendwie Wasser erwärmen. Mit einer Mischung aus erwachten Urinstinkten mache ich mich daran, das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit zum Regelbrecher zu werden. Nachdem ich mein Zelt schon zu früh aufgestellt habe, werde ich jetzt ein Lagerfeuer machen.

Aus ein paar Steinen baue ich mir einen Ring, in dem ich kleine, dürre Äste verbrenne. Glücklicherweise benötige ich nicht viel Wasser, das daher sehr schnell kocht. So klappt es dann doch noch mit den Nudeln. Und für morgen überleg ich mir dann was. Mittlerweile ist es fast 19 Uhr und es wird langsam richtig dunkel. Ich vertreibe mir die Zeit noch ein wenig mit meinem Kindle (Ich lese aktuell die „Rad der Zeit“-Serie, da dazu bald eine Amazon Prime Verfilmung kommt) und liege schon im Zelt, als mich Schritte vor meinem Zelt aufhorchen lassen. So ganz allein ist das ja doch aufregend. Ich werfe also einen Blick nach draußen und begrüße ein tschechisches Paar, die gerade angekommen sind. Ich biete noch meine Hilfe beim Zeltaufbau an, das wird aber abgelehnt. Also lausche ich gebannt den lautstarken Bemühungen, während ich mich in meinen Schlafsack einrolle.

So endet mein erster Tag im Sumava Nationalpark.

Zum zweiten Tag: Tag 2 – da geht doch mehr, oder?

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